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Sizilien – Insel der Kontraste
 
Wo die ruhmreiche Antike auf die Moderne des 21. Jahrhunderts trifft
 

Ich kenne viele Länder rings ums Mittelmeer, doch die Erkundung der größten Insel hatte ich mir bisher noch aufgehoben. Es reizt mich immer wieder Neues zu entdecken und Land und Leute dabei kennen zu lernen. Anfang Juni war Sizilien dran. Überraschenderweise war das Wetter ähnlich wie bei uns. Es war warm, aber nicht zu heiß und es gab auch Abkühlungen. Gerade am Tag als die Fahrt mit unserem Reisebus zum Ätna angesagt war, änderte sich das Wetter.

Als wir näher heran gekommen waren, gab es sogar Hoffnung auf bessere Sicht, der Himmel hatte sich teilweise geöffnet und tiefes Blau versprach wunderbare Fotos. Die Bebauung reichte erstaunlich weit an die Abhänge des immer wieder spuckenden Vulkans heran. Mutige Menschen hatten sogar auf halber Höhe ihr Domizil errichtet. Schwarze Lava fand sich ringsherum in ihren Gärten. Die Straße wand sich in Schlangenlinien in die Höhe bis zum Busparkplatz auf 1900 Metern Höhe.
 
 Isola Bella                                              Sizilianischer Durchblick
 
Auch im Tal war es nun wieder trübe geworden und die Sicht hätte besser sein können. Es folgte eine kurze Einkehr in eines der für müde Wanderer errichteten Cafés. Mein Wunsch nach einer Tasse heißer Schokolade, die so auf der Getränkekarte stand, wurde mit einer Tafel geschmolzener Milchschokolade nach einer halben Stunde Wartezeit schließlich erfüllt. Die zähe dunkle Creme war überaus süß und nur mit einem Löffel genießbar. Ganz so wörtlich hätte man meine Bestellung auch nicht nehmen brauchen. Draußen war es nun richtig kühl geworden - und das in einem Sommermonat auf der größten Mittelmeerinsel! Doch entlang einem der Kraterränder zu spazieren, ihn in einem Bild festzuhalten, war nun mal Pflicht.
 
Eine Seilbahn führte weiter nach oben zu den Hauptkratern. Meine Freundin und ich verzichteten auf eine Fahrt. Ohne Sicht, inzwischen waren dunkle Wolken aufgezogen und der Gipfel schien mitten drin zu liegen, erschien es sinnlos. Mit einem gemütlichen Schlemmer-Picknick am Fuße des Vulkans endete dieser Tagesausflug.
Gelernt hatten wir alle, dass es auch in südlichen Regionen auf hohen Bergen, im Schatten und bei Wind, sehr kühl werden kann.
 
Die Fahrt zum Tal der Tempel, welches sich paradoxerweise auf Hügeln befand, war für mich der eigentliche Höhepunkt der gesamten Kultur-Rundreise. Schon die alten Griechen hatten hier mehrere Tempel erbaut, die teilweise sehr gut erhalten sind. Die antike Stadt Agrigent war im Hintergrund stets sichtbar. Die Regierung lässt dort lagernde Säulenteile wieder aufeinander setzen und einige Bauten rekonstruieren. Der am besten erhaltene ist der Concordia-Tempel. Auch eine antike Nekropole, also eine Totenstadt, mit Felsgräbern konnte bestaunt werden. Die Gräber waren teilweise richtig winzig. Der Reiseleiter erklärte uns hierzu, dass die Menschen zur damaligen Zeit in Embryonalstellung bestattet wurden.
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 Kirche San Lorenzo in Agrigent                      Concordia-Tempel                                             Küste bei Cefalù
 
Ringsherum bietet sich dem Besucher ein Blick über grüne Hügel, die von den grauen Windungen der Straße durchzogen werden. Agrigento wurde bereits um 580 v. Chr. gegründet und erlebte unter dem Tyrannen Phalaris seine erste Blütezeit. Im Jahre 406 v. Chr. war die Stadt von den Karthagern erobert und geplündert worden. 1087 n. Chr. kamen die Normannen, errichteten die Kathedrale in Agrigent und gründeten das Kloster Santo Spirito. Die wichtigste Barockkirche ist die Kirche San Lorenzo, auch Fegefeuerkirche genannt.   
 
Mit unserem klimatisierten Reisebus legten wir längere Strecken auf den Autobahnen zurück. So durchfuhren wir auch die Kornkammer der Insel. Die Fahrt führte uns quer durchs Land von der Nordküste nach Süden mit dem „Mittelpunkt“, der Stadt Enna.
Autobahnen werden in Sizilien wegen des bergigen Terrains größtenteils über weithin sichtbare Stelzen geführt. Einem Bandwurm gleich durchziehen sie die wechselnden Landschaften, die in sattem Grün oder auch bräunlich bis gelb und felsig gegen den tiefblauen meist wolkenlosen Himmel ragen. Welch ein Kontrast! Solch eine Vielzahl an Autobahnbrücken, die sich über das gesamte Land erstrecken ist mir noch nirgends begegnet. Allein diese Konstruktionen in luftiger Höhe, die Stabilisierung durch mächtige Pfeiler, erscheinen wie ein Wunder.
 
Dann wieder mündet die Straße in riesigen schwarzen Löchern. Wir durchfahren einen Tunnel nach dem anderen. Beim Wiederaustritt aus der dunklen Röhre, erwartet den Busreisenden der nächste Augenschmaus. Leider sind nicht immer Parkbuchten für Fotografen vorgesehen oder man ist zu schnell daran vorbei gefahren und so sind einige meiner Bilder, die ich aus dem Bus heraus fotografiere, nicht so ansehnlich wie von mir erwartet. Eine einwöchige Reise kann natürlich nur einen kurzen Überblick vermitteln. Eine Fahrt mit dem Auto böte mehr Möglichkeiten an schönen Plätzen etwas länger zu verweilen. Im Reisebus ist es aber bequemer und ein guter Reiseleiter berichtet alles, was man ansonsten lesen müßte.
                                                                               
 
   griechisches Amphitheater                                    Taormina
Autobahn auf Stelzen
 
Taormina ist ein richtig überlaufener Touristenort, den man trotzdem, allein schon wegen seiner herrlichen Lage hoch oben in den Bergen, gesehen haben sollte. Den Besucher erwarten  herrliche Ausblicke aufs Meer, jene intensiv blaue, ruhige Fläche mit großen und kleinen Buchten und der Isola Bella bei Giardini Naxos. Ein Reigen von duftenden Blüten in allen herrlichen Farben erfreut den Spaziergänger an jeder Straßen- und Hausecke. Nicht zu vergessen, das antike, von den Griechen erbaute und später auch von den Römern genutzte Theater der Stadt. Die Ausmaße versetzten mich in Erstaunen,
 
Welch monumentale Denkmäler die Menschen der Antike bereits zu errichten im Stande waren! Neue Volksstämme brachten ihre Kultur mit und verschwanden wieder von der Bildfläche, um anderen Platz zu machen. Das regt an zum Nachdenken über den Bestand der Dinge und den Wandel der Zeiten. Was zählt die kurze Zeitspanne eines Menschenlebens, wenn man von den vielen verschiedenen Völkern und ihrer Zeit erfährt, die diese strategisch günstig gelegene Insel Sizilien bevölkerten um letztendlich später wieder unterzugehen? Trotz aller neuzeitlicher Möglichkeiten der Vorhersage von Wetter und seismischer Aktivität, konnten Katastrophen durch Vulkanausbrüche und Erdbeben nicht verhindert werden. Die Naturgewalten brechen nachwievor über die Menschheit herein. Wer kann schon wissen, wann der nächste Tsunami heranrollen, der Ätna die menschlichen Siedlungen zu seinem Fußen begraben wird ?
 
   Sylvia Hofmann
 
 
 
 
 
 
 
 
 
     
 
 
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