Endlich mal wieder schickte die Sonne schon morgens ihre warmen Strahlen durch mein Fenster. Froh gelaunt betrat ich meine Küche, um das Frühstück vorzubereiten. Da klingelte das Telefon, gerade als ich den Kaffee von der wärmenden Platte weggenommen und mir eingegossen hatte. Ein Werbeanruf der mit den Worten „Sie haben gewonnen“ begann, raubte mir die Zeit, mein Frühstück musste warten. Bis ich meiner Telefonpartnerin auseinander gesetzt hatte, dass ich an nichts interessiert sei, auch nicht Lotto spielen wollte, und sie mich nie mehr anrufen sollte, war der Kaffee kalt.
So goss ich ihn um und setzte einen kleinen Topf mit dem Kaffee auf die Herdplatte um ihn wieder aufzuwärmen. Parallel dazu legte ich einen Bagel in das Toastgerät. Nun kam mir der Gedanke, in der Zwischenzeit noch schnell nach eingegangenen E-Mails zu forschen, denn ich muss jeden Tag mit 30-50 Werbemails, also „Spams“ kämpfen. Wenn die schon einmal gelöscht wären, so dachte ich, dann könne ich mich nachher an den PC setzen und eine Kurzgeschichte für unser neues Bürgerfunk-Programm im Radio niederschreiben. Die Idee dazu hatte ich schon parat in meinem Kopf.
Beim Durchsuchen des Posteingangs interessierte mich wie stets, das Angebot eines Internet-Reiseveranstalters, der zu einem sehr günstigen Preis eine Woche Ägypten in einem 5-Sterne-Hotel anbot. Dazu fand ich ein wunderbares Bild von einer, im maurischen Stil errichteten, Hotelanlage. Als Reisefan musste ich mir dies doch etwas genauer ansehen. Natürlich wollte ich jetzt auch wissen, ob das angekündigte Werbeangebot auch für andere Reisezeiten galt. So gab ich verschiedene Termine in meinen PC ein und war nicht verwundert, dass es nach jeder späteren Woche, also in der Ferienzeit einschließlich des Herbstes, immer teurer wurde.
Nun las ich noch die Lagebeschreibung und über die Ausstattung des wirklich ansprechenden Hotels. Allerdings befand es sich im „Niemandsland.“ Shuttlebusse sollten zum Sandstrand am Roten Meer eingesetzt werden. Aus meinen Träumen, dort eventuell doch mal eine Urlaubswoche zu verbringen, riss mich ein starker Brandgeruch. Ob er von draußen kam? Das Fenster oberhalb meines Schreibtisches war geöffnet.
Nein, aus der Küche sah ich Schwaden ziehen, und ich hörte so einen komischen Ton.Ich muss schnell nachsehen, was da passiert war, schoss es mir durch den Kopf. Eiligst wollte ich mich in Richtung Küche in Bewegung setzen, doch ein ungeheurer Schmerz erfasste mein Knie. Ich befand mich am Boden neben dem Schreibtisch und konnte nicht aufstehen. Da lag ich nun und überlegte, was in der letzten Sekunde passiert war. Mit dem Fuß hing ich immer noch im dicken Computerkabel fest und weiterhin kam beißender Gestank aus der Küche.
So gut es ging und unter starken Schmerzen humpelte ich an den Ort, wo offensichtlich etwas Unvorhergesehenes eingetreten war. An der Küchentür stehend, traf mich zusätzlich zu meinem Beinschmerz noch ein Stich in der Herzgegend. Aus dem Toaster rauchte es entsetzlich, und der Kaffee kochte und sprudelte, so dass in dem kleinen Töpfchen fast nichts mehr drin war. Dazu war die gesamte Umgebung des Herdes mit braunen Kaffeepunkten besudelt. Ebenso der Frühstückstisch, mein weißer Stuhl und auch der helle Küchenboden.
„Nein!“, schrie ich ganz laut, aber es änderte nichts. Mein Knie zu verarzten war vorrangig. Der Appetit war mir vergangen. Und wieder meldete sich das Telefon. Ob mir denn nochmals jemand etwas andrehen wollte am frühen Morgen? Ich konnte kaum ins Badezimmer laufen. Mit einem, in eiskaltem Wasser getränkten, Waschlappen auf dem Knie legte ich mich auf mein Bett. Dick anschwellen sollte mein Bein nicht, denn ich hatte ja nachmittags einen Termin und sollte laufen können. Ich war wohl so abwesend, dass ich auch den hellen Fliesenboden vor dem Waschbecken nass spritzte und mit meinen Hausschuhen hinein getreten war. Graue Flecken am Badezimmerboden zeigten dies. Auch der cremefarbene Teppichboden im Schlafzimmer zeugte mit Flecken von meinem Missgeschick.
Aus der fast leeren „Mobilat“-Tube konnte ich gerade noch eine kleine Wurst heraus drücken. Das machte mich selig. Trotzdem konnte ich nicht richtig auftreten und schon gar nicht mein Knie abwinkeln. Es war dick angeschwollen und sogar blutig offen, wie bei kleinen Kindern die schnell rennen und dann zu Boden stürzen. Gerade heute war ich nachmittags in Bonn verabredet.
Freitag, der 13. dachte ich. Künftig werde ich nicht mehr so groß proklamieren, dass ich nichts befürchte, weil es doch ein ganz normaler Tag sei.
Ich werde an jedem künftigen Freitag den 13. viel vorsichtiger sein.
Sylvia Hofmann
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