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Tinnitus – die Beethoven-Krankheit
 
„Nur meine Ohren, die sausen und brausen Tag und Nacht fort. Ich kann sagen, ich bringe mein Leben elend zu“, klagte Ludwig van Beethoven, der berühmteste Tinnitus-Leidende, ...
 
für den das eingeschränkte Hörvermögen und die seelische Belastung dramatisch waren.
 
Die Ursachen dieses Krankheitsbildes, unter dessen chronischer Form in Deutschland mindestens 1,5 Millionen Menschen leiden, liegen im Dunkeln. Es handelt sich wohl um eine Fehlverarbeitung akustischer Signale im Gehirn, wird vermutet. Auch um Aktivitäten feinster Haarzellen im Innenohr. Ebenso sind Lärmschäden, Durchblutungsstörungen, Stress denkbar.
 
Auf jeden Fall ist ein beginnender Tinnitus ein Warnsignal, dass im körperlichen oder seelischen Bereich etwas falsch läuft. Sofort sollte der Arzt aufgesucht werden, vielleicht kann Durchblutungsförderung und Unterstützung des Stoffwechsels eine Chronifizierung verhindern.
 
„Ich habe ein unaufhörliches Rauschen im Ohr, dass oft durch anhaltendes Pfeifen verschärft wird“, berichtet eine Patientin. Andere werden durch scharfes Klopfen aus dem Schlaf gerissen, das aus dem Ohr kommt, auf dem sie gelegen haben. Viele hören ein ständiges zermürbendes Geklingel, das übrigens, aus dem Lateinischen kommend, der Krankheit seinen Namen gegeben hat. Andere werden von Summen, Zischen, Hämmern, Trommeln geplagt – alles Geräusche, die nur der Betroffene selbst wahrnehmen kann. Zwar haben die Geräusche nur eine Stärke von einem bis drei Dezibel und sind damit weit leiser als jedes andere Umgebungsgeräusch, aber der Patient nimmt es überdeutlich wahr.
 
Dieser Terror der Hörnerven ist zur Zeit noch nicht heilbar. Aber es gibt Therapien, die die Beschwerden deutlich lindern können. Nach einer dieser Therapien lernt man, mit diesen Signalen aus dem Nichts als erträglicher Begleiterscheinung zu leben. Dafür werden Kompaktkuren angeboten, die zur Kassenleistung gehören. Eins der bekanntesten Heilbäder dafür ist Bad Meinberg, wo auch ein Institut für Tinnitus-Forschung und -Therapie angesiedelt ist. Tinnitus-Zentren gibt es auch in Hamburg, Düsseldorf, Osnabrück und London. Es wurde ein Retrainings-Programm, ein Bewältigungsprogramm entwickelt, das ein Prozess des Umlernens und Umgewöhnens ist. Der Patient lernt, seine Aufmerksamkeit auf andere akustische Reize zu lenken, so dass die Geräusche als weniger lästig wahrgenommen werden. Durch intensive Betreuung und psychologische Hilfe lernt er damit umzugehen. Ebenso sollen spezielle Rauschgeräte hilfreich sein, die die Wahrnehmung des  Patienten vom Tinnitus weglenken und sein Ohr wieder an Umgebungsgeräusche gewöhnen, so dass er vielleicht seine normale Filterfunktion zurück gewinnt. Das Prinzip ist hier: Nicht hinhören, sondern weghören.
 
Die Heilungschancen sind leider nicht groß, und sowohl die Forschung als auch Experten-Teams von Ohrenärzten, Hörakustikern und Psychologen arbeiten an neuen Therapieformen. Die Deutsche Tinnitus-Liga (DTL) in Wuppertal betont nachdrücklich die Notwendigkeit weiterer Forschung insbesondere für den chronischen Tinnitus, also für Patienten, die länger als drei Monate darunter leiden. Die DTL ist eine große Selbsthilfe-Organisation mit 150 regionalen Gruppen Betroffener, leider keiner in Bonn oder dem Rhein-Sieg-Kreis. Sie steht mit fast allen deutschen „Tinnitus“-Ärzten und -Kliniken und auch mit ausländischen Fachkräften in Verbindung. Bei ihr kann man auch aufklärende Literatur erwerben, unter anderem das Buch „Tinnitus von A bis Z – Von Betroffenen für Betroffene“.
 
Ihre Adresse: Deutsche Tinnitus-Liga, Am Lohsiepen 18, 42369 Wuppertal.
Sie gibt auch eine Zeitschrift „Tinnitus-Forum“ heraus.
Ein Patientenbuch „Ärztlicher Ratgeber Tinnitus“ bieten die Apotheken an.
 
Rosmarie Hennigs
 
 
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