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Der Funke springt über
 
Neuer Workshop der LoCom-Medienakademie „Der lokale Reporter im Bürgerfunk“ vermittelt Kenntnisse über kommunale Strukturen und Ansprechpartner. Reportage vom Töpfermarkt ermöglicht Anwendung des Erlernten
 
Die LoCom MedienAkademie veranstaltete am 12./13. Juni einen neuen, kostenlosen Workshop mit dem Titel „Der lokale Reporter im Bürgerfunk“ unter Leitung des Medientrainers Ulrich M. Golinske. Nach einer Einführung in die Technik der Reportage mit Erlebnisschilderung, sachlicher Information und Kommentar, wurde die Technik des mobilen, digitalen Aufnahmegerätes durch den Kursleiter erklärt: „Hier schaltet man ein. Dann drückt auf den roten Knopf. Dann warten. Für die Aufnahme noch einmal drücken. Für eine 45 Grad-Aufnahme macht ihr das so“. Es folgte eine Demonstration. „Und für die 120 Grad-Aufnahme macht ihr das so:“ Wieder gab es eine kurze Vorführung. Die Teilnehmer schauten sich an. „Nimmst du das Gerät und ich mache die Moderationen?“, fragte einer.
„Nein!“, fuhr die Stimme des Medientrainers dazwischen. „Alle sprechen einmal und üben mit dem Gerät.“
 
 
„Oh, Oh, Oh,….“, ein Raunen ging durch die Runde. „Neulich kam ich nach einem gemachten Interview mit Nichts auf dem Gerät zurück. Die Fahrt zum Interview und die wunderschönen Fragen waren umsonst gewesen. Ich hatte den besagten roten Knopf nicht gedrückt- oder nicht oft genug. „Ja, das kann passieren“; erklärte er. „Nicht nur euch, sondern auch alten Hasen und fragte anschließend: „Habt Ihr über das Töpfern recherchiert?“ Die Teilnehmer an den Workshops der LoCom MedienAkademie haben immer die Gelegenheit im Rahmen einer praktischen Übung, die im theoretischen Teil vermittelten Kenntnisse auch anzuwenden. Gelegenheit dazu bot der Töpfermarkt auf dem Münsterplatz. Hierüber sollte eine Reportage angefertigt werden.
 
Luba hatte recherchiert. Stolz zeigte sie die ausgedruckten Seiten über Raku-Brand, Fritte, Fayence und die Geschichte der Keramik. Nachdem alle Teilnehmer diese Seiten gelesen hatten, wurden ein paar Fragen, die wir an die Töpfer oder Besucher des Marktes stellen wollten und die Anmoderation aufgeschrieben. Auf dem Münsterplatz herrschte schon reges Treiben. Die Sonne schien und vom Münster her klangen die Glocken. Luba nahm Atmosphäre auf: 120 Grad. Dann sprachen Luba und ich ihre Anmoderation. Welch gelungener Anfang: eine Moderation begleitet vom Geläut des Bonner Münsters! Ich war begeistert, Luba auch, bis ihr auffiel, dass sie das Gerät gar nicht auf Aufnahme gestellt hatte. In der Zwischenzeit waren die Glocken verklungen. Es half nichts: Anmoderation die Zweite. „Bitte alles noch einmal!!“.
 
Ein paar Stände weiter filmte und interviewte eine Gruppe Männer sehr routiniert einen Töpfer, der vor seiner Keramikware stand. „Das wird heute noch gesendet“, meinte Ulrich M. Golinske. Ach ja, wir mussten unsere Aufnahmen nicht nur schneiden und mit Musik unterlegen, sondern auch noch auf einen Sendeplatz warten. Bis zur Ausstrahlung unserer Aufnahme würde dieser Töpfertag lange vorbei sein. Aber so ein Akademietag ist auch eine Gelegenheit zur Fortbildung. Wir schlenderten ein wenig über den Marktplatz, um uns einen Gesamteindruck zu verschaffen. Dann zogen uns die zauberhaften Töne einer Okarina in den Bann. „Luba, nehm auf!“ Ein netter Töpfer!“, sagte ich Er nahm noch andere Tonmusikinstrumente in die Hand und spielte für uns Melodien ins Mikrofon.
 
Ein anderer Töpfer erzählte uns von seiner autodidaktischen Ausbildung zum Keramiker. Auf unsere Frage, ob das Geschäft sich lohne, erhielten wir zur Antwort, dass die ARGE einen Teil seines Lebens mitfinanzierte. Wir wünschten ihm Gewinn und Erfolg. Die Töpferin am Nachbarstand, die kostbare Rakus anbot, ließ uns wissen, dass sie von ihrem Ehemann, einem Arzt, finanziert wurde. Nur die Liebe zum Handwerk veranlasse sie dazu, die vielen Mühen auf sich zu nehmen. Was wie eine interessante Reportage über ein altes Kunsthandwerk angefangen hatte, wurde durch die Unterhaltung mit den Handwerkern nun auch zu einer solchen über die soziale Absicherung und die oft verwinkelten Lebensläufe dieser Menschen.
 
Der Beitrag eines kleinen Mädchens rundete unsere Sendung ab. Es erzählte recht unbefangen von seiner selbst getöpferten Katze und fragte, wann es sich im Radio hören könne. Wir ließen uns seine Adresse geben und versprachen, sie darüber zu informieren. Wären wir als Privatpersonen hier gewesen, hätten wir sicher das eine oder andere mehr genießen können. aber auch bestimmt nicht auf so informative Einblicke in Leben und Handwerk der Töpfer bekommen. Die Tatsache, dass wir für den LoCom LORA Bürgerfunk um ein Interview baten, öffnete uns die Türen. Unsere Aufnahmezeit war begrenzt. Das Mikrofon wurde weg gepackt und dann ging´s noch auf eine Tasse Kaffee, einen Flammkuchen oder ein Eis ins nächste Bistro.
 
Aber nicht zu lange sitzen! Wir wollten ja noch unsere Aufnahme abliefern und hören, was die andere Gruppe aufgenommen hatte. Die war auf einen Gitarrespieler gestoßen, dessen Spiel sie uns stolz vorführte. Dafür fehlten die Reportagen. Schwamm drüber. Das Aufnahmematerial sollte sowieso zusammengeschnitten werden und diente vorrangig unserer Ausbildung. Fertig geworden sind wir an diesem Nachmittag nicht. Wir beschlossen, das Schneiden und die Auswahl der Musik auf einen anderen Tag zu verschieben und die Aufnahme im Format „LoCom MedienAkademie“ auszustrahlen.  
 
Es ist ein gutes Gefühl, die eigene Sendung im Radio zu hören. Dann hat sich die Mühe gelohnt. Der nächste Radio-Workshop findet am 26./27. Juni im LoCom-Haus, Bachstraße 4, in Bonn statt. Das spannende Thema: „Experimentelles Radio“. Es sind noch Plätze frei.
 
Brigitte Thiel-Rajabi
 
 
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