EchoNET   LoCom   Termine   Treff   Hobbybörse   Hilfe 
  INHALT
 
 
  Willkommen  
  Polis aktiv  
  Medien  
  Editorial  
  Menschen weltweit  
  Menschen mobil  
  Kultur  
  Menschen vital  
  Menschen & Musen  
  Senioren-Infos  
  Service  
  Produkte und Dienstleistungen  
  Jung + Alt  

 

 
  Alte Ausgaben
 
Sie sind hier:  Start /  EchoNET /  Kultur /  Die Geschichte des Jazz III
 
 
Die Geschichte des Jazz III
Django Reinhardt - 01 - Dinah.mp3 (917 kB)
 
Django Reinhardt - geboren am 23. Januar 1910
Zum 100. Geburtstag des einzigartigen, genialen Jazzmusikers
 

Jean Baptiste „Django“ Reinhardt wurde am 23.Januar 1910 in Liberchies in Belgien geboren. Schon seine Geburtsstätte war ungewöhnlich: ein Wohnwagen, in dem seine Eltern lebten. Eine Manouche-Familie aus einem im Französischen ansässigen Stamm der Tsiganes, was als Zigeuner - heute als Sinti oder Roma - zu übersetzen wäre. Beide Eltern waren künstlerisch tätig, der Vater als Musiker. Die Neigung und die Begeisterung für Musik lag Django wohl im Blut. Schließlich waren seine Vorfahren seit Generationen als Musiker tätig. Das musikalische Handwerk der Zigeunermusik wurde ausschließlich in den Familien weitergegeben, da die meisten Roma selbst weder je eine Schule besucht hatten, noch Noten lesen konnten. Dies führte allerdings dazu, dass die Kinder dieser Familien vom frühesten Alter an mit Musik aufwuchsen.

So lernte Django ohne professionellen Unterricht, sehr früh Violine, Banjo und schließlich Gitarre zu spielen. Seine Karriere als professioneller Musiker begann er als 12-Jähriger. Er tat sich durch sein ungewöhnlich gutes Gehör hervor und war bald unter Roma-Musikern recht bekannt, trat in Lokalen auf und nahm mit 18 Jahren als Banjospieler mit einem Akkordeonisten seine erste Platte auf.

Im November 1928 trat ein Ereignis ein, das Djangos Leben entscheidend beeinflusste, und vielleicht sogar die Grundlage für seinen späteren Musikstil und damit seinen späteren Ruhm bildete. Der Wohnwagen der Reinhardts brannte ab! Django erlitt dabei so schwere Verletzungen, dass seine linke Hand verkrüppelt blieb. Er konnte den Ringfinger und den kleinen Finger nur noch in geringem Umfang bewegen, für einen Gitarristen eine Katastrophe, eigentlich das Ende seines Berufes als Musiker. Aber das Feuer machte aus Django nicht nur einen anderen Menschen, sondern auch einen anderen, genialen Musiker. Auch vorher war Reinhardt ein talentierter Musiker, aber erst die Behinderung - die körperlichen Einschränkungen - brachten ihn dazu, spezielle Techniken des Gitarren-Spieles zu entwickeln. Er entwickelte eine völlig neue und höchst virtuose Spieltechnik, bei der er fürs Melodiespiel lediglich Zeige- und Mittelfinger einsetzte, für Akkorde in beschränktem Maße Ringfinger und kleinen Finger und ausgiebig den Daumen.

Django trat nach seiner Genesung in zahlreichen Pariser Cafés auf. Dort lernte er auch den Geiger Stéphane Grappelli kennen, mit dem zusammen er das „Quintette du Hot Club de France“ gründete, das seinen Ruhm in die Welt trug. Aussergewöhnlich war die Besetzung des Ensembles: Geige, drei Gitarren -neben Reinhardt zwei Rythmusgitarren - und ein Bass. Die Geige stellte ein für die Zeit des Quintetts recht ungewöhnliches Jazzinstrument dar, und in der Kombination mit der Gitarre war sie praktisch einzigartig; desgleichen die Abwesenheit jeglichen Schlagzeugs. Django verband seine musikalische Herkunft aus der Manouche-Kultur mit leichtfüßig swingenden Jazzrythmen, mit instrumentaler Virtuosität und einfallsreicher Spontanität, die durch den kongenialen Stephane Grappelli ideal ergänzt wurden. Das bedeutendste Ensemble des europäischen Jazz war geboren.

Das Quintett wurde ein Sensationserfolg und blieb - bis auf zwei Umbesetzungen - in seiner ursprünglichen Form bis zum Ausbruch des Zweiten Weltkrieges 1939 bestehen. Während Grappelli sich bis Kriegsende in London aufhielt, spielte Django Reinhardt in Paris in den folgenden Jahren mit wechselnden Besetzungen in einem geänderten, wesentlich konventionelleren Quintett-Format. Er blieb bis zum Ende des Krieges unbehelligt in Paris. Selbst unter den deutschen Besatzungsoffizieren hatte er Fans. Dies bewahrte ihn wohl davor, wie viele seiner Verwandten als Zigeuner verfolgt und in Konzentrationslagern umgebracht zu werden

1946 lud Duke Ellington Reinhardt zu einer kurzen USA-Tournee ein. Die Tournee wurde, wie auch die Zusammenarbeit mit anderen Musikern, ein Fiasko. Der Grund lag in der völligen Unberechenbarkeit und Unzuverlässigkeit Djangos. Zu einem Konzert Duke Ellingtons zum Beispiel, in dem er auftreten sollte, traf er erst drei Stunden nach Konzertbeginn ein. Dass dies das Ende der Zusammenarbeit bedeutete, ist verständlich. Als Musiker galt Django Reinhardt zeitlebens als Genie, als Mensch war er ein Despot, eine extrem schwierige, unstete und egozentrische Persönlichkeit, beherrscht von einem übersteigerten Selbstbewusstsein. Django war für sein häufig arrogantes, anmaßendes und selbstherrliches Verhalten im Umgang mit anderen Menschen bekannt und dafür, dass er Verträge, Vereinbarungen und sonstige Verpflichtungen gegenüber Vertragspartner, Veranstaltern, Musikern und sogar Familienangehörigen oft negierte oder nur widerwillig erfüllte.

Die Verbindung seines exzentrischen Auftretens im täglichen Leben mit seiner Kreativität in der Musik könnte man vielleicht in seiner Unfähigkeit erblicken zu erkennen, was „normal“ ist. Die Grenzen gesellschaftlich konformen Verhaltens hat er wahrscheinlich nie bewusst und absichtlich überschritten, er hat sie nur schlichtweg nicht wahrgenommen. Und auch in der Musik hat er die Grenzen des „Normalen“ nicht wahrgenommen und deshalb in seiner Genialität gespielt, was seiner Intuition entsprang.

Nach dem Krieg hat Reinhardt nur noch selten mit anderen Musikern zusammen gespielt. Den Zugang und das Verständnis zu den neuen, aus Amerika kommenden Jazzstilen wie dem Bebob hat er nie völlig gefunden. In den letzten Jahren seines Lebens widmete er sich größtenteils der Familie, Freunden, der Malerei, dem Angeln und dem Billardspiel. Er verstarb im Alter von nur 43 Jahren am 16. Mai 1953 in Fontainebleau an den Folgen eines Schlaganfall. Man legte seine Gitarre neben anderem Hab und Gut ins Feuer. So, wie es Brauch der Manouche ist.

In die Geschichte des Jazz ist Django eingegangen als der erste, wirklich eigenständige, originäre und geniale europäische Jazzmusiker. Auch heute noch ist es ein einzigartiges musikalisches Erlebnis, seine Musik, das „Quintette du Hot Club de France“ zu hören.
 
Foto:   Django Reinhardt
Musik: Django Reinhardt, Dinah (Lautsprechersymbol unten links anklicken)
 
Die Artikel  `Geschichte des Jazz II - Die Erfinder des Jazz` und `Geschichte des Jazz I - Die Wurzeln und das Umfeld`  finden Sie unter folgenden Links:
 
HANS GILLES
Redakteur EchoNET
 
28.01.2010
 

 

 
Django Reinhardt - 01 - Dinah.mp3 (917 kB)
 
 « Artikel zurück
Artikel vor » 
 
Kommentare anzeigen Kommentare (0)
 

Login
Name:
Passwort:
Autologin:
Registrierung
Passwort vergessen
mehr... 
Beteiligung

Beteiligen Sie sich. Die Gemeinschaft bietet viele Möglichkeiten, das Netz aktiv zu gestalten.

mehr... 
Termine
Unsere Veranstaltungs- hinweise für Sie...
mehr... 
Vorschläge!?
Wünschen Sie Foren zu bestimmten Themen?
mehr... 
Unser Buchtipp

Lyrik ungebunden
- Anthologie -
edition locom, Bonn 2004, 112 Seiten

mehr... 

 gefördert von Ministerium für Gesundheit, Soziales, Frauen & Familie NRW, Stiftung Wohlfahrtspflege NRW, Bundesstadt Bonn
Impressum Kontakt Feedback Partner Werbung Modellprojekt